Ok, das ist vielleicht ein bisschen überspitzt. Doch heute ist der 21. März 2022, mein letzter Tag als Teenager. Morgen, am 22. März 2022 beginnt der erste Tag des Rest meines Lebens. In den kommenden Tagen und Wochen werde ich vielleicht noch ein zwei andere Texte hierzu verfassen, da dieser Geburtstag eine Art Zäsur, Trennung ist. Dieser Geburtstag leitet (ein bisschen verspätet) ein neues Kapitel in meinem Leben ein, er ist der erste, den ich in meiner neuen Heimat verbringen werde. Aus diesem Anlass werde ich vor allem privat auf Fragebögen aus dem gleichnamigen Buch von Max Frisch eingehen. Jetzt jedoch möchte ich einfach nur meine Gedanken festhalten und teilen.
Wien, 21. März 2021, 23:00 – T-minus einer Stunde, dann schlägt es zu einem neuen Jahrzehnt in meinem Leben. Zwanzig Jahre werde ich dann auf dieser Erde gewesen sein, zwanzig Jahre lang lernte ich diese Welt kennen und zwanzig Jahre lang lebte ich. Ich erinnere mich an meinen ersten, bisher einzigen runden Geburtstag. Meine Mama drückte mich, gratulierte mir zum Geburtstag und wünschte sich, dass ich mir für die nächsten zehn Jahre ein wenig länger Zeit lassen würde. Ich hatte keine Ahnung, was sie meinte – heute tue ich das. Damals hatte ich keine Ahnung, ich habe es wahrscheinlich immer noch nicht, aber das wird sich mir erst in zehn Jahren wieder zeigen. Ich hatte keine Ahnung von nichts. Seitdem habe ich so viele Erinnerungen gemacht, Menschen kennen gelernt, Orte gesehen, Eindrücke gesammelt und aus diesen Dingen gelernt, zumindest hoffe ich das. Heute, an meinem letzten Tag vor den Twennies, kann ich mich freuen, auf meine Vergangenheit, meine Gegenwart und meine Zukunft.
Runden Geburtstagen wird immer besonders viel Beachtung geschenkt. Sie dienen als Referenzpunkt, als Punkt in der Geschichte an dem man nach Hinten, wie auch nach Vorne schaut. Genau das möchte ich jetzt auch machen: Auch wenn ich erst zwanzig Jahre alt werde, dementsprechend nicht weit nach Hinten blicken kann, gibt es einige Momente, die sich sehr eingeprägt haben. Vor allem den Reisen in die USA, nach London, Paris, Berlin, Rom, Barcelona und Peking gehören spezielle Punkte in meinem Gedächtnis. Meine Freunde, Kollegen und Geliebten teilen unvergessliche Momente – manchmal wünsche ich mir dieses Denkarium in Dumbledores Büro aus Harry Potter, um diese Erinnerungen immer und immer wieder zu erleben. Viel Zeit spendete ich meiner Ausbildung, seit mehr als 14 Jahre bin ich in Ausbildungsstätten. Doch die wohl schönsten Momente erlebe ich erst seit einigen Monaten hier in Wien. Jeder Tag, jede Woche ist etwas besonderes. Hier werde ich einen großen Teil meiner Zukunft verbringen und ich freue mich darauf.
Für die nächsten zehn Jahre möchte ich mir keine speziellen Ziele stecken. Ich möchte hier und jetzt nicht festlegen, was ich bis dahin erreicht oder erlebt haben muss, viel lieber möchte ich meine Hoffnungen festhalten, die ich an mich richte. Meine größte Hoffnung ist es, in genau zehn Jahren vor einem ähnlichen Bildschirm zu sitzen und glücklich zu sein. Glücklich über meine vergangenen zehn Jahre, glücklich über die Möglichkeiten, die folgen würden, glücklich über den Augenblick in dem ich dann leben werde. Ich hoffe, dass ich weiterhin (oder wieder) kräftig hier schreibe, gesund bin (mental und körperlich) und es mir an nichts fehlt. Wie jetzt schon möchte ich keine Reue empfinden und auch keine Angst, denn beides schränkt unseren Blickwinkel auf Ereignisse ein. In ähnlicher Stimmung wie gerade soll ich sein – hoffnungsvoll, melancholisch und ziemlich sprachlos.
Auch wenn ich heute einige Kommentare dahingehend gehört habe, fühle ich mich nicht alt. Dieser Geburtstag wird nicht sehr viel in mir verändern, ich werde nur ein Jahr älter. Selbst wenn meine Teenager-Jahre nun vorbei sind, bin ich dennoch nicht alt. Selbst wenn jetzt ein Zweier vorne steht, heißt das nicht, dass ich mir Sorgen um meinen Lebensabend machen muss. Meine Jugend wird morgen noch nicht vorbei sein. Ich werde mir darüber hinaus auch keine Sorgen darüber machen, ob ich meine Jugend verpasse und verschwende. Denn wenn man in der Gegenwart glücklich ist, kann man in der Zukunft voller Glück auf das Vergangene blicken. Die nächsten zehn Jahre werden großartig und Mama, ich werde versuchen mir diesmal Zeit zu lassen – versprochen.
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