Um das jetzt zu erklären, muss ich ein bisschen ausholen und abschweifen – verzeiht mir.
Ich habe in meinem letzten Beitrag gesagt, dass ich erst in den Geschmack von Podcast komme und ein bisschen spät auf diesen Zug erst aufgesprungen bin. Ein Podcast, der mich schon früh abgeholt hat und mir sehr gefällt ist Ear Biscuits – ein Podcast von „two lifelong friends, who talk about life for a long time“. Mit diesem, ihrem Eingangsspruch, ist eigentlich eh schon vieles gesagt, zusätzlich erwähnt sei noch, dass die beiden Sprecher im Alter meiner Eltern sind, selber Kinder in ungefähr meinem Alter haben, jedoch aus einem ganz anderen Hintergrund haben. Ich mag diesen Podcast so gerne, weil er mir einen sehr persönlichen Einblick auf gewisse Themen, Ereignisse und Dinge gibt. So auch auf das Ausziehen des erstgeborenen Kindes aus der Sicht der Eltern. Bis zu jenem Podcast habe ich nicht an den Einfluss, den dieser Auszug haben könnte, auf meine Eltern gedacht. Dies mag egoistisch und narzisstisch klingen, aber mit dem Umzug, dem beginnenden Studium, einer neuen Stadt, in der ich eine Handvoll Vertraute erst hatte, dachte ich nicht an andere. Doch da ich mich schon ein wenig eingelebt, die Stadt ein wenig erkundigt, den Unistart überlebt, neue Bekanntschaften gemacht habe, hatte ich Zeit und Gelegenheit mir darüber Gedanken zu machen. Ich kann mir, wie es in dem Podcast geschildert wurde, vorstellen, dass es herausfordernd, emotional belastend und herzzerreißend sein kann.
Ich habe mit meinen Eltern nicht darüber geredet. Nicht weil es mich nicht interessiert, oder weil es nichts zur Sache tut, wie sie fühlen, sondern weil ich nicht gerne über Gefühle rede. Das liegt nicht an meinen Eltern oder an irgendeiner anderen Person, ich verpacke diese Gefühle, die ich empfinde einfach lieber in Texte, die ich mir auch in Jahrzehnten auch noch durchlesen kann. Nichtsdestotrotz habe ich in letzter Zeit eine Person gefunden, der ich mich anvertrauen und öffnen kann. Es hat etwas Therapeutisches, etwas Beruhigendes, etwas Bestätigendes, wenn man einer vertrauten Person seine tiefsten Gedanken und Gefühle schildern kann. Ich glaube, das ist genau auch der Reiz, der dieser Podcast hat. Es sind Gespräche zweier Freunde, die sich alles erzählen und somit ihr Leben verarbeiten und teilen können.
Ich wünschte, ich könnte die Gedanken meiner Eltern gerade lesen. Selbstständig, selbstbewusst und selbstsicher habe ich mich in den Bus nach Wien gesetzt, habe meine Taschen eigenständig ins Zimmer gebracht und anschließend das Magistrat aufgesucht. Diesen Auszug, am 23. September 2021 werde ich niemals vergessen. Die Überschwänglichkeit, die Leichtigkeit, die Freude, die ich an diesem Tag erlebt habe, wird mir stets im Gedächtnis bleiben.
Doch ich weiß nicht, wie meine Eltern darüber denken. Ich weiß, dass sie stolz sind, dass sie sich nur das beste für mich wünschen und mir, komme was wolle, zur Seite stehen. Aber ich weiß nicht, ob sie sich nicht persönlicher, emotionaler, Hollywood-reifer verabschieden hätten wollen.