Ein Versprechen, das ich mir selber gegeben habe, lautet immer glücklich zu sein und positiv der Zukunft entgegenzublicken. Tagtäglich stehe ich mit der festen Überzeugung auf, dass heute ein guter Tag sein wird. Doch auch wenn ich mir dies ein und vorrede, erlebe ich dennoch schlechte Tage. Tage, an denen ich demotiviert, deprimiert und einfach nur schlecht drauf bin. Tage, an denen nichts so läuft, wie geplant und die Zukunft dunkel und kahl aussieht. Mit stetigen Verlängerungen oder Verschärfungen der Maßnahmen gegen Corona haben diese Tage an Zahl zugenommen.
Ich kann nicht mehr jeden Tag zu Hause sitzen und nichts tun. Seit nun 11 Monaten suche ich laufend Dinge, die mich ablenken und diese düsteren Zeiten, in denen wir leben, vergessen lassen. Aber ich kann schlicht und einfach nicht mehr. Es wird zu viel. Ich spüre, wie sich die Wände um mich schließen. Selbst Sport machen, an die frische Luft gehen und auch arbeiten helfen nicht mehr. An ein Leben vor Corona kann ich mich nicht mehr erinnern, ein Leben danach mir immer weniger vorstellen. Und dennoch sagt mir tief in meinem Herzen etwas, dass ich hier etwas wie wir müssen weiter kämpfen, weiter warten, weiter machen… schreiben soll. Und an einem anderen Tag hätte ich das wohl auch geschrieben, doch heute ist nicht so Tag.
Ich will nicht mehr einfach nur da sein, ich möchte etwas erleben, etwas unternehmen, etwas machen. Doch durch die aktuellen Bestimmungen kann man so gut wie nichts machen. Man darf kaum einen treffen, kaum etwas unternehmen, kaum etwas erleben. Natürlich haben einige der Bestimmungen Daseinsberechtigung, natürlich sollte man zurzeit vorsichtig sein und auf sich und seine Familie schauen, doch dieses „zurzeit“, „im Moment“, „jetzt gerade eben“ usw. usw. dauert einfach schon zu lange. Ich will nicht mehr auf ein wundersames Ende warten, denn so langsam habe ich das Gefühl, dass uns dieser Virus nie mehr loslassen wird.
Ich muss trotzdem weitermachen. Ich muss trotzdem weiterhin aufpassen. Ich muss trotzdem weiter darauf schauen, dass ich nicht krank werde und damit meine Familie in Gefahr bringe – ich verstehe das. Nie im Leben hätte ich jetzt damit begonnen, auf Menschen mit Maske zu spucken, oder Anhaltestangen abzuschlecken oder sonst irgendwas Dummes und Unverantwortliches zu machen.
Dennoch kann und will ich nicht mehr.
Um aber nicht nur zu deprimieren, folgt hier noch ein kleiner Appelle:
Es ist wichtig, vor allem in Zeiten wie diesen (Gott wie ich diesen Spruch schon hasse), zu reden. Wenn es um die psychische Gesundheit geht ist Reden Gold. Es wird nicht jeder, der zuhört helfen können, doch er oder sie wird für dich da sein und sein:ihr Bestes geben. Man muss und darf keine Angst vor seinen Gefühlen und Gedanken haben, sie sind es, die uns zu der Person machen, die wir sind.
Foto von Brett Sayles von Pexels
