Ich kann die Freude, die ich empfinde, nicht in Worte fassen. Auch wenn ich vorhin gesagt habe, ich sei enttäuscht, was in gewisser Weise stimmt, aber in gewisser Weise dann auch wieder nicht – lasst mich versuchen das zu erklären.
Vorgreifend muss gesagt werden, dass ich jetzt gerade einmal drei Wochen in Wien bin, schon zwei Mal in Graz wieder war und erst eine Woche Uni Leben hinter mir habe. Ich habe also, auf Grund verschiedener Faktoren, noch nicht einmal die Spitze des Eisbergs erkundet. So, jetzt geht’s los!
Ich bin enttäuscht, weil ich mir von der ersten Sekunde in Wien mir eine völlige Veränderung meiner Gefühlslage erwartet habe. Natürlich ist es nicht dazu gekommen, denn der Einzug in mein Zimmer war nicht die Erlösung von all meinen Problemen, von meinem Stress, von meinen Zweifeln – wie erhofft und auch ein bisschen erwartet. Dieser Einzug hat zu den vorhanden Problemen nur neue gebracht, er hat den Stress ein wenig erhöht und meinen Zweifeln hat er auch nicht geholfen. Denn durch ihn wurde es ernst, ich wusste, dass es nur noch Tage zu meiner ersten Vorlesung an der Uni sind und ich noch einiges organisieren und beschaffen musste. Im Gegensatz zur totalen Erleichterung, die ich erwartet habe, kamen also noch mehr Herausforderungen auf mich zu – die durch das Erwartete noch viel unüberwindbarer schienen.
Dennoch aber bin ich froh. Dennoch aber bin ich positiv gestimmt. Dennoch aber kann ich die Zukunft kaum abwarten. Denn Wien hat so viel zu bieten. Neben der Uni, neuen Bekanntschaften, neuer Erfahrungen ist auch das kulturelle Angebot Wiens unübertreffbar. Ich kann morgens kaum erwarten, was ich abends erlebt haben werde, welche Menschen ich kennen gelernt habe und was ich gelernt habe. Denn das (Kennen-)Lernen ist der Grund, aus dem ich mich für Wien entschieden habe. Ich bin hier, weil ich hier studieren möchte. Letzte Woche, als ich erfuhr, dass die Vorlesungen noch eine Woche nach hinten verschoben wird, war ich wutentbrannt. Endlich wollte ich loslegen, losstarten und nicht mehr still auf meiner Stelle scharren. Ich wollte lernen, denn ich wusste nicht, was ich sonst tun soll. Das Studium gibt mir Sinn, gibt mir Beschäftigung, gibt mir Stabilität, darüber bin ich mir, bereits nach einer Woche, sicher. Ich werde es nicht bereuen, ich werde es nicht bereuen nach Wien gezogen zu sein, ich werde es nicht bereuen dieses Studium ausgewählt zu haben – ganz im Gegenteil, es wird mich bereichern und ich werde es genießen.
Ich kann der Zukunft kaum entgegenwarten, werde meine Vergangenheit nicht vergessen und werde das Jetzt schätzen und genießen.